Illustration oben
 

Nachlese vom 06. November 2019

Nachlese Erzählcafé vom 06. November 2019

"Traumberuf Comedian - Ein Kosmopolit in Hildesheim" 

Mit: Dr. Stefan Graen

Moderation: Hartmut Wolter

 

Etwa 20 Besucher*innen fanden sich zum Erzählcafé „Traumberuf Comedian" ein. Unser Gast Stefan Graen zeigte sich völlig überrascht, dass so viele Leute wegen ihm gekommen sind.


Die Besucher*innen erlebten einen charmanten Schnellsprecher, wortgewandten Erzähler und humorvollen Menschen, der sich selbst bewusst kokett mit „der Typ redet halt gern" charakterisierte und aufforderte ihn zu stoppen, wenn das nerve. Genervt hat es nicht. Im Gegenteil - das Publikum zeigte großes Interesse und forderte mehr von diesem anregenden und inspirierenden Erzählen.


Themen die interessierten, waren: Wie man die notwendige Flexibilität fürs Improtheater erreicht, wie man sich vorbereite, ob man Absprachen treffe, wie man davon lebe ...
Die Flexibilität sieht der Comedian bei jedem Menschen als normal an. Man würde ja auch in Alltagsgesprächen ohne jede Vorbereitung flexibel antworten oder reagieren. Kokettierend mit seinem abnehmenden Kurzzeitgedächtnis meinte er: Die wirkliche Herausforderung auf der Bühne sei, sich zu merken, was bereits gesagt wurde, um die Handlung sinnvoll weiter zu führen. Aber mit dem Alter und der zunehmenden Lebenserfahrung werde man auch gelassener. Dieses erleichtere auch den Mut zum Neustart. Wichtig sei, wenn etwas nicht klappt, einfach noch einmal neu zu beginnen. Auch im richtigen Leben. Letzthin habe er z.B. bei einem Telefonat, das schief lief, gesagt, er lege jetzt auf und rufe noch einmal neu an - und das Gespräch sei völlig anders gelaufen: richtig gut.


Die Comedy Company ist für Stefan Graen, wie eine Familie, man kenne sich, wisse wie man tickt, vertraue einander. Und das ist wesentlich, denn: „Alles was Du brauchst, ist in deinem Partner. Also behandle deinen Partner so, als sei er der größte Schauspieler der Welt." Das könne auch jede*r. Man müsse einfach nur mit den Menschen reden und sie dabei vor allem als Menschen wahrnehmen und nicht nur in ihren Rollen oder Funktionen. Und dann, wenn man anderen Menschen mit Freundlichkeit begegne, erwidern sie diese oft.
Wirtschaftlich seien auch die Auftritte der Comedy Company eher unter Spaßhaben zu verbuchen, sehr viel lukrativer seien Seminare, Trainings und Workshops bei Firmen zu Kommunikation oder Präsentation. Jeder der Comedians habe noch andere berufliche Tätigkeiten.


Persönlich fühlt sich Stefan Graen wunschlos glücklich. Allerdings sei er auch ein politisches Wesen und da gelte es, Verantwortung zu übernehmen und zu handeln.
Dem rauer werdenden, mittlerweile sogar gewalttätigen gesellschaftlichen Klima, müsse man deutlich entgegentreten. Gegen politische Äußerungen, die es weiter aufheizen, wie die Aussage: Das Holocaust-Denkmals in Berlin sei ein Denkmal der Schande, sei klar Position zu beziehen. Seiner Tochter habe er beim Besuch des Denkmals erklärt: „Der Holocaust ist nicht deine Schuld. Er ist nicht meine Schuld. Und er ist auch nicht Omas und Opas Schuld. Es geht nicht um Schuld, es geht um Verantwortung, um die Verantwortung, dass so etwas wie der Holocaust nicht mehr passiert." Bei aller Ernsthaftigkeit und Nachdenklichkeit ist es Stefan Graen wichtig, Freude und Spaß am Leben zu haben. In Aussagen wie: „Der Traumberuf Comedian heißt für mich nichts anderes als einfach Lausbube zu sein", blitzte immer wieder sein Schalk auf.


Es war ein interessanter, anregender, humorvoller Abend. Mit großem Beifall und allseitiger Zustimmung wurde die Frage einer Besucherin aufgenommen, ob nicht auch einmal ein Improtheater-Auftritt bei der Freien Altenarbeit Göttingen möglich sei. Wir hätten so viele ernste und gewichtige Themen. „Es wäre schön, auch einmal etwas Leichtes in der Freien Altenarbeit zu haben." Mit ebensolchem Beifall wurde die Bereitschaft des Comedians dafür bedacht.

 

- Martin Grabensee - 

Copyright © 2008-2015
Freie Altenarbeit Göttingen e.V. / Kontakt:
info@f-a-g.de
Seite aktualisiert am 12.08.2016