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Nachlese vom 12. Juni 2019

Nachlese zum Erzählcafé vom 12. Juni 2019

„Hospiz - Ein Lebensort?!" Raum für Polaritäten und Emotionen

Mit: Manuela Brandt-Durlach (Leiterin Ambulantes Hospiz an der Lutter e.V.)
Moderation: Laura Marahrens, Freie Altenarbeit Göttingen e.V.

 

In der Freien Altenarbeit Göttingen e.V. finden an diesem regnerischen Mittwoch zwanzig Besucher*innen zusammen, um Manuela Brandt-Durlach zum Thema Hospiz zu hören. Sie ist die Leiterin des Ambulanten Hospizes und erzählt über Leben, Sterben, Tod und Trauer.

Das Publikum ist an vielen Aspekten ihrer Arbeit sehr interessiert und fragt viel: Die Kontaktaufnahme mit dem Ambulanten Hospiz und die Vorgehensweise für eine Aufnahme im Stationären Hospiz sind zwei große Themen. Dem ging eine Definition der Palliativen Pflege und Medizin vorweg und es wurde zwischen Stationären- und Ambulanten Hospiz unterschieden. Das Stationäre Hospiz in Göttingen hat neun Einzelzimmer, diese bieten auch genügend Platz, dass Angehörige dort mit übernachten können. Nach der Kontaktaufnahme zur Leitung des Stationären Hospizes und der Rücksprache mit dem behandelnden Arzt, der die Hospiznotwendigkeit bescheinigt, können die Patienten ins Hospiz einziehen. Sie und auch die Angehörigen werden dort von einem multiprofessionellem Team aus Pflegkräften, Sozialarbeiter, Seelsorger, verschiedenen Therapeuten, dem Hausarzt und Ehrenamtlichen betreut. Die Kosten werden durch die Kranken- und Pflegekassen zu 95% finanziert. Die verbleibenden notwendigen Kosten werden über Spenden ausgeglichen.

Die Betreuung durch das Ambulante Hospiz wird teilweise durch die Kassen gefördert, auch in diesem Bereich sind Spenden erforderlich. Dabei kommt den vielen Ehrenamtlichen eine bedeutende Rolle zu. Sie besuchen die Sterbenden zuhause, im Krankenhaus oder im Pflegeheim. Frau Brandt-Durlach erklärt, dass jeder Mensch an und für sich fähig sei, Sterbende zu begleiten. Man brauche nur eine „Ermutigung", wie sie die „Ausbildung" auch nennt, die die Ehrenamtlichen durchlaufen.

Eine große Zahl der Teilnehmenden an diesem Erzählcafé hat bereits persönliche Erfahrungen mit sterbenden Angehörigen oder Freunden gemacht. Sie haben das Bedürfnis darüber zu sprechen und so entwickeln sich auch in diesem Erzählcafé lebhafte Gespräche zwischen der Erzählerin und den Gästen.

Die Zuhörer*innen sind erstaunt, wie Frau Brandt-Durlach und ihr Team von Ehrenamtlichen den Umgang mit „immer wieder Sterbenden" verkraften. Ob Sie eine besondere Begabung haben? Darauf antwortet Frau Brandt-Durlach, dass Sie das Leben zu genießen wissen. „Das müssen wir können, es ist eine Grundvoraussetzung, um im Hospiz zu arbeiten". Dazu beteuert Sie, wie wichtig die psychologische Unterstützung sei, die Sie und das Team haben.

Eine zweite wichtige Lebenseinstellung für ihre Arbeit als „Sterbeamme", wie Sie sich auch bezeichnet, sei die Authentizität in der Begleitung. Dabei betont sie, dass „Hospizarbeit eine Haltung sei". Das bedeute, dass es keine festgelegte Methodik im Umgang mit dem sterbenden Menschen gäbe. In der Begleitung stehe der Sterbende mit seiner Biografie und seinen Bedürfnissen im Mittelpunkt. Selbst, wenn er den baldigen Tod tabuisiere. „Wir können nicht ununterbrochen an das Sterben denken - Verdrängen ist das Luftholen der Seele", beteuert die Hospizleiterin.

Gegen Ende lenkt die Moderatorin Laura Marahrens den Fokus auf „gutes Leben" und die Bewusstmachung der Zeit, die jeder von uns noch hat. Eng damit verbunden ist die Frage, zu unseren Wünschen und vor allem, diese Wünsche umzusetzen. Dazu erwähnt Frau Brandt-Durlach „eine Löffelliste" aus dem Film „Das Beste kommt zum Schluss", auf der alle Dinge ständen, die man noch tun möchte, „bevor man den Löffel abgibt".

Zum Schluss legt sie noch Informationsmaterialien zum Hospiz aus und stellt einen neuen Kurs vor: „Der Letzte Hilfe Kurs"

Weitere Infos unter: www.hospiz-goettingen.de; www.letztehilfe.info 

- Millaray Santander -

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Seite aktualisiert am 12.08.2016