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 Nachlese vom 06. Juni 2018

Nachlese Erzählcafé vom 06. Juni 2018

„Dreimal Afrika“ - Entwicklungshilfe in Botswana und Südafrika

Mit: Dagmar Ritter, Dipl. Päd. für Menschen mit Behinderungen, Förderschullehrerin für Menschen mit geistigen Behinderungen

Moderation: Laura Marahrens

 

Passend zu einem Erzählcafé rund um das heiße Afrika begrüßte das Juni-Erzählcafé seine Gäste mit sommerlichem Wetter.
Mehr als 20 Gäste waren der Einladung gefolgt, um Dagmar Ritters Erzählungen von ihrem Leben in Afrika zu lauschen. Frau Ritter, Diplom Pädagogin für Menschen mit Behinderungen, war dreimal in Afrika. Jeder Aufenthalt war einzigartig und eines ganz sicher - ein Abenteuer und eine große Bereicherung für die ganze Familie.


1979-1982 in Botswana
„Für unseren ersten Afrikaaufenthalt 1979-82 wurden wir von Dienste in Übersee nach Botswana entsandt ", berichtet Dagmar Ritter, die sich mit ihrem Mann, einem Gynäkologen, und zwei kleinen Kindern in der Entwicklungshilfe betätigt hatte.
Nach 6 Monaten Vorbereitung (unteranderem intensiver Englischkurs in England) haben sie ihren Haushalt in Deutschland aufgelöst und sind mit zwei großen Koffern für die Erwachsenen und einem Koffer für die zwei Kinder nach Afrika aufgebrochen.
Im April 1979 kamen sie in Botswana an. Vom niedersächsischen Lütgenrode nach Botswana! Eine Umstellung!
Der Ehemann von Dagmar Ritter arbeitete als Arzt in einem Buschkrankenhaus in Botswana. Die Familie musste sich erstmal an den Alltag in Botswana gewöhnen. Im Sommer konnte es tagsüber über 40 Grad heiß werden. Nachts herrschte tiefste Dunkelheit und es wurde bitterkalt. Die Windeln an der Wäscheleine froren ein.
Der Ehemann von Dagmar Ritter musste sich an die Herausforderungen im Buschkrankenhaus gewöhnen. Einmal hatte er ein paar Stunden Zeit, sich mithilfe von ein paar Büchern auf eine Operation vorzubereiten, wo er einem Patienten unter medizinischer Aufsicht den Magen herausnehmen sollte. Die häufigste Krankheit, die in dem Buschkrankenhaus behandelt wurde, war Tuberkulose, berichtete Dagmar Ritter.
Schon bald bekam Dagmar Ritter mehrere Namen verliehen wie etwa den Ehrentitel „MaNgaka". Das bedeutet „Frau des Doktors" oder auch „ManruInga" bzw. „ManruMax" („Mutter von Inga" bzw. „Mutter von Max").
„Einmal", erzählte Dagmar Ritter, „herrschte in Botswana eine lange Dürrezeit und manche Bewohner beschuldigten eine Frau als Verursacherin der Dürre. Sie wendeten Rituale gegen sie an. Die Frau musste auf das Krankenhausgelände ziehen, da es sonst zu gefährlich für sie geworden wäre." Dagmar Ritter betont, dass der Aberglauben und Glaube an Zauberei sehr ausgeprägt sei.
Während dem ersten Afrika-Aufenthalt vergrößerte sich die Familie Ritter um zwei weitere Kinder. Die Zwei wuchsen die ersten Jahre in Botswana auf. Als die Familie 1982 nach Deutschland zurückkehrte, lernten die beiden Kleinsten etwas Neues kennen - den Regen.


1986-1993 in Botswana
1986 kehrte die Familie für sieben Jahre nach Botswana zurück. 1986-93 arbeitete Dagmar Ritter als integrierte Expertin als Koordinatorin für das Auslands-Lehrerprogramm der deutschen Regierung. Als Ehrenamtliche gründete sie in Botswana ein Zentrum für Menschen mit Behinderungen.
Ihre Kinder gingen in Botswana auf internationale Schulen. Die gemeinsame Sprache war Englisch. Dagmar Ritter erinnernt sich noch genau an die Familienfotos der alljährlichen Krippenspielaufführungen zur Weihnachtszeit. „Kinder aus aller Welt führten zuammen das Krippenspiel auf und ihre Kinder mittendrin!"
Kontrastierend zu diesem friedlichen Bild, hatte sich die Situation in Botswana verschärft. In Südaftika, dem Nachbarland herrschte seit 1940 die Apartheid und damit politische Verfolgung und Bespitzelung. In Botswana gab es Überfälle des Südafrikanischen Geheimdienstes auf mögliche Wiederstandskämpfer, die sich in Botswana aufhielten. Von ihren Erfahrungen und der offenen Bedrohung durch Südafrika, berichtete Dagmar Ritter. Die Regierung von Botswana reagierte mit Straßenspeeren- und Kontrollen durch bewaffnete Soldaten. Bombenanschläge waren allgegenwärtig.
 

2000 - 2004 in Südafrika
Während ihres letzten 4-jährigen Afrikaaufenthalts unterstützte Dagmar Ritter NGOs und den Aufbau von Kleingewerbe in Kwazulu Natal. Diesmal war sie ohne ihre Familie in Afrika - genau genommen im „Regenbogenland Südafrika." Dieses war möglich, da die Apartheid 1994 endete und Nelson Mandela erster schwarzer Präsident des Landes wurde.
Auf die letzte Frage, ob sie Sehnsucht nach Afrika habe, antwortet Dagmar Ritter mit einem Lächeln und mit den Worten; „Man kann nicht zweimal in denselben Fluss springen... Aber wenn ich jünger wäre, wurde ich gerne noch einmal nach Afrika..."
Zum Schluss noch ein kleines Résumé von Dagmar Ritter: Das Leben in Afrika habe ihre Familie geprägt und ihnen viele Erfahrungen und Abenteuer geschenkt.
Es war ein intensives Erzählcafé, bei dem die Sehnsucht nach Afrika in der Luft lag. Die Gäste haben mit großer Begeisterung den Erzählungen von Dagmar Ritter zugehört.
Wir bedanken uns herzlich bei Dagmar Ritter und würden uns freuen Sie bald wieder in unserem Erzählcafé begrüßen zu dürfen.
 

- Clara Gold -


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Seite aktualisiert am 12.08.2016