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Nachlese vom 02. Mai 2018

Nachlese Erzählcafé vom 02. Mai 2018

"Trug und Schein - Das Projekt lebt weiter! - Zeitgenössische Einblicke in das Leben 1983 - 1946" 

Mit: Ulrike Lachmund, Maria Olheiser, Natalie Dodenhoeft, Rosemarie Köhler, Verena Lemke

Moderation: Hartmut Wolter, Ulrike Lachmund, Maria Olheiser, Natalie Dodenhoeft, Rosemarie Köhler, Verena Lemke

Kurz nach meiner Ankunft wurden die Lebensmittelkarten verteilt. [...] 600 Polenflüchtlinge haben wir im Lager, viele Frauen stehen schon in Arbeit in den Fabriken." (06.09.39, Überfall auf Polen - Ausschnitt aus einem Brief von Hilde) 

Und die Schule verludert unterdessen. Ich komme immer wieder zu dem Schluß: Rust [Erziehungsminister] ist eine glatte Null." (06.02.41, Ausschnitt aus einem Brief von Roland) 

Bevor das Erzählcafé begonnen hat, konnten die Gäste bei einem Getränk und Gepäck die Wartezeit verkürzen und sich mit einer kleinen „Ausstellung" über das Projekt „Trug und Schein" auf das Erzählcafé einstimmen. Mehr als 30 Gäste waren der Einladung in das Erzählcafé gefolgt, um von der bisherigen Arbeit des Trug und Schein- Projektes zu erfahren und sich auszutauschen.

Zu Beginn des Erzählcafés wurde das Projekt den Zuhörern kurz vorgestellt: Inhalt des Trug und Schein Projektes ist die Erschließung und Veröffentlichung des Briefwechsel eines deutschen Paares aus der Zeit von 1938 bis 1946. Der Impuls zu diesem Projekt geht von den Erben der Briefe aus. Der Briefwechsel wird nach und nach in transkribierter Form auf einer eigenen Website (trugundschein.org) veröffentlicht. Die Projektgruppe „Trug und Schein" setzt sich zusammen aus StudentInnen und aus Seniorinnen des Zeitzeugenprojektes der Freien Altenarbeit Göttingen e.V. Seit 2015 trifft sich die Gruppe regelmäßig um die Briefen zu transkribieren und kommen durch die Briefe in einen generationsübergreifenden Dialog. Alle arbeiten ehrenamtlich.
Der Briefwechsel lässt den Leser einen lebendigen Einblick kriegen in den Alltag eines Paares während des Nationalsozialismus. Der Briefwechsel ist zudem etwas Besonderes, da er vollkommen erhalten ist. Das Paar „Roland" und „Hilde" (Pseudonyme) haben sich von 1938 bis 1946 regelmäßig geschrieben. Im Herbst 1940 wurde Roland zur Marine eingezogen. In dieser Phase schrieben sie sich beide täglich. So entstand ein Briefbestand von etwa 4000 Briefen. Mittlerweile sind die Briefe bis zum Sommer 1942 transkribiert worden. Eine weitere Besonderheit des Trug und Schein-Projektes in der Freie Altenarbeit e.V. Göttingen ist neben den Briefen, das Zusammentreffen von „Jung und Alt." In diesem Projekt arbeiten verschiedene Generationen zusammen und ergänzen sich dabei; die einen können die Briefe aus dem Sütterlin transkribieren, die anderen sind zuständig für die neuen Medien. Durch die Arbeit an den Briefen und den gemeinsamen Ziel, den Briefen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, entsteht ein generationsübergreifender Dialog.
Die Projektgruppe „Trug und Schein" aus Göttingen ist im Moment in einer neuen Phase.
In Vorbereitung ist eine intensive Bildungs- bzw. Pädagogikarbeit beispielsweise in Form von einer Kooperation mit SchülerInnen aus der Umgebung Göttingen. Zusammen mit Schülern sollen die Briefe bzw. ein Teil der Briefe unter einem bestimmten Thema bearbeitet werden. Die Schüler haben somit die Möglichkeit sich anhand von Zeitzeugenberichte mit dem Alltag im Nationalsozialismus auseinanderzusetzen.
Ein weiteres Teilprojekt geht der Frage nach wie das Projekt „Trug und Schein" in den neuen Medien sichtbar werden kann. Neben der Trug und Schein- Website wurde ein Wikipedia-Eintrag für das Projekt formuliert. Fast jeder benutzt Wikipedia als erstes Suchmittel und daher ist zu erwarten, dass das Projekt noch bekannter wird.

Nach der Vorstellung des Trug und Schein-Projektes wurde das Erzählcafé in zwei Gruppen unterteilt, sodass die TeilnehmerInnen in einem intimeren Kreis mit den Mitgliedern der Projektgruppe ins Gespräch kommen konnten.
Ein Gesprächsthema in den kleinen Gruppen war der Erfahrungsaustausch über die generationsübergreifende Zusammenarbeit innerhalb des Projektes. Aus den Gesprächen des Erzählcafés wird deutlich: Die generationsübergreifende Zusammenarbeit ist inspirierend für alle. Die verschiedenen Generationen ergänzen sich gegenseitig... Es entstehen Freundschaften... Es herrscht eine große Neugierde und Wissbegierde sowohl auf die Briefe als auch auf die Kontakte untereinander. Lebendige Diskussionen entstehen wie zum Beispiel, die Frage ob alles transkribiert werden soll, ob Briefe gekürzt werden sollen oder ob bestimmte Textpassagen nicht veröffentlicht werden sollen.
Alle Mitglieder der Projektgruppe „Trug und Schein" sind sich einig: Das Projekt ist für sie eine wahre Bereicherung - sowohl vom Inhalt der Briefe als auch die Menschen, die man kennen lernt. Für die Beteiligten an „Trug und Schein" ist das Projekt auch eine Form der Inspiration und des Anstoßes wie unteranderem das Stöbern in der eigenen Familiengeschichte. Es ist ein Impulsgeber für die eigene Reflexion der Familiengeschichte. Man wird für andere Dinge offener und entdeckt vielleicht unerwartete Schätze auf den Dachboden der Familie; sei es Briefe, Fotos etc. Neue Perspektiven entstehen... Neue Wege eröffnen sich...

Zum Abschluss ist zu sagen, dass Trug und Schein-Projekt ist ein wahrer Schatz und es geht weiter!
Helfende Hände und kreative Köpfe sind immer willkommen, das Projekt zu unterstützen und mitzugestalten.

Clara Gold 

Nähere Information auf der Website von Trug und Schein hier: https://info.umkc.edu/dfam/
http://www.tonkuhle.de/tonkuhle-programm/trug-und-schein.html


 

 


 

 

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Seite aktualisiert am 12.08.2016