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Nachlese vom 18. April 2018

Nachlese zum Erzählcafé vom 18. April 2018


Resilienz und Ressourcen – Heilsamer Umgang mit vermeintlichen Stärken und Schwächen
Mit: Meike Dubbert, Heilpraktikerin für Psychotherapie
Moderation: Laura Marahrens

Bei sommerlichen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein haben die Freie Altenarbeit
Göttingen e.V. und die Heilpraktikerin für Psychotherapie Meike Dubbert zu einem Mutmach-
Erzählcafé eingeladen. Angekündigt war, Impulse für einen heilsamen Umgang mit
vermeintlichen Stärken und Schwächen zu bekommen und mögliche Ressourcen zu entdecken.

Mehr als 30 Gäste waren der Einladung in das Erzählcafé gefolgt, um bei Getränken
und Keksen von Meike Dubbert einen Einblick in ihre Arbeit zu bekommen.
In dem Erzählcafé wird spürbar, wieviel Engagement und Herzblut Meike Dubbert für ihren
Beruf als Heilpraktikerin für Psychotherapie hat: „Es ist keine Aufgabe. Es ist eigentlich eine
Hingabe. Für mich ist mein Beruf eine Berufung und es ist eine Herzensangelegenheit für
mich, mit Menschen zu arbeiten.“

Eine Grundlage ihrer therapeutischen Arbeit ist die sogenannte Alexander-Technik. Diese erklärt Meike Dubbert folgendermaßen: „Die Alexander-Technik ist eine Bewusst-seins-Schule und wirkt unmittelbar auf das (Er)-Leben. Erleben ist ein aktiver, teils unwillkürlicher Prozess. (…) Ziel der Alexander Technik ist das bewusste Aufzeigen, Erarbeiten von Wahlmöglichkeiten (körperlich, gedanklich, emotional, handlungsbezogen) sowie das Bahnen neuer, stimmiger Alternativen. Gesundheitsförderliche "innere Bilder" unterstützen diesen Prozess.“ (Quelle: Praxis Alexander-Technik Göttingen, Meike Dubbert, https://www.bewusst-sein-bewegt.de/at-basics.html, Aufgerufen am 25.04.2018).

Jeder Mensch kennt schwierige Situation und hat eigene Strategien, um diese Situationen zu
meistern. Individuelle Charakter-Eigenschaften, Eigenschaften zur Interaktion mit der Umwelt
(Resilienzfaktoren) und umgebungsbezogene Faktoren bilden unsere Fähigkeit zu agieren
und zu reagieren. Jeder Mensch hat im Laufe seines Lebens Ressourcen entwickelt, die
ihm helfen auch schwierige Phasen zu meistern. Manchmal scheint der Zugang zu den eigenen, persönlichen und individuellen Ressourcen und Resilienzfaktoren gerade nicht möglich.

Zur Erklärung: Resilienz ist eine innere psychische Widerstandskraft, über die ein Mensch
verfügt. Mit Ihrer Hilfe ist der Mensch fähig, sein inneres Gleichgewicht zu finden und zu
bewahren. Die Resilienzfaktoren – die sieben Säulen der Resilienz – sind bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt. Sie sind erlernbar. Es ist hilfreich, sie zu kennen, auszubauen und in ein gesundes Gleichgewicht zu bringen. Die sieben Resilienzfaktoren bzw. Säulen sind Optimismus, Akzeptanz der Krise, Lösungsorientierung, das Verlassen der Opferrolle, das Übernehmen der Verantwortung für das eigene Leben, neue Netzwerke aufbauen und die Zukunft neu zu planen und zu gestalten. Dieses abstrakte Model wird vielleicht durch eine Metapher deutlicher, die Meike Dubbert erwähnt: Stellen Sie sich vor, Sie sind in Göttingen und möchten nach Rom fahren. Der erste Schritt wäre wahrnehmen, wo ich bin, wie könnte ich an mein Ziel kommen, was sind meine Möglichkeiten und wie ist es hier und jetzt….

Viele Menschen vermeiden dieses bewusste Wahrnehmen und sind innerlich schon an einem anderen Ort… das macht das Weiterkommen nicht leicht… denn wenn ich mich „gefühlt“ schon in Frankfurt am Flughafen wähne, ist es schwer, mich in Göttingen zu orientieren…. wahrnehmen wo ich gerade bin, wie es sich anfühlt hier zu sein mit den Möglichkeiten und Grenzen, bedeutet in die Akzeptanz kommen. Selber akzeptieren, wo ich stehe: „Ich bin jetzt (noch) in Göttingen“, ist nicht gleichbedeutend mit gut heißen oder schön finden, sondern  ein, „JA, hier bin ich gerade“… Nur so sind Klarheit und Orientierung für ein entschiedenes Weiterkommen möglich.

Meike Dubbert verdeutlicht in dem Erzählcafé, dass jeder Mensch unbewusst weiß, was er
oder sie braucht. „Ich glaube, die Menschen tragen ein tiefes Wissen in sich in Bezug auf
dass, was sie selber brauchen.“ Sie bezeichnet sich selbst in ihrer Tätigkeit als „Möglichkeiten-Kellnerin“, die, zusammen mit ihren Klienten, auf die Suche geht. Auf die Suche nach ihren Zielen, ihren Bedürfnissen und Hindernissen… Bei ihrer therapeutischen Arbeit stehen der Mensch und seine Bedürfnisse im Vordergrund.

Für Meike Dubbert ist es wichtig, mit ihren Klienten gemeinsam herausfinden, (auf „Augenhöhe“), was das Ziel der Therapie sein könnte und welcher Weg für die einzelne Person selbst stimmig ist. Es gibt dabei kein Rezept oder eine Liste, die man abarbeitet. „Der Weg zum Ziel ist so individuell wie der Mensch selber, der vor mir steht“.

In der heutigen Leistungsgesellschaft verlernen wir schnell den Zugang zu unseren Stärken.
Es wäre heilsam, sie bewusst wahr zu nehmen und zu würdigen. Der Fokus wandert schnell
auf die (vermeintlichen) Schwächen. Meike Dubbert hilft persönliche Ressourcen und Resilienzfaktoren zu entdecken und vergessene und unbewusste Kräfte wahrzunehmen, um neue Möglichkeiten zu entdecken und Lösungen zu finden.

Ein kleiner Tipp von Meike Dubbert zum Abschluss: Ein Bild über sein Leben zu malen! –
Ein Bild mit Stärken, Schwächen und vorhandenen Resilienzen…

Clara Gold

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Seite aktualisiert am 12.08.2016