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Nachlese vom 6. Dezember 2017  

Nachlese Erzählcafé vom 06. Dezember 2017

Aktion Sühnezeichen – Ein Pastor und sein Dienst für den Frieden

Mit Walter Merz (Jg. 1959, evangelischer Pastor)
Moderation: Laura Marahrens und Dorothee Bonner

 

Nachlese Erzählcafé vom 06. Dezember 2017Aktion Sühnezeichen – Ein Pastor und sein Dienst für den FriedenMit Walter Merz (Jg. 1959, evangelischer Pastor)Moderation: Laura Marahrens und Dorothee BonnerEpigrammFleißig sind wir und ordentlichDeshalb lieben die anderen VölkerUns Deutsche: ÜberallRäumen wir aufVolker von Törne: „Im Lande Vogelfrei“, 1981, S. 187Walter Merz las unter anderem dieses Gedicht von Volker von Törne zum Einstieg des Erzählcafés. Von Törne leitete lange Jahre die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste und war Mitbegründer der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Oswiecim / Auschwitz. „Im Bewusstsein, dass die Folgen des Nationalsozialismus noch immer spürbar sind und nur durch einen intensiven Dialog überwunden werden können, setzt sich Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) für eine Verständigung zwischen den Generationen, Kulturen, Religionen und Völkern ein.“ (Quelle: ASF-Homepage) Aktion Sühnezeichen ist in Belgien, Frankreich, Großbritannien, Israel, Niederlande, Norwegen, Polen, Russland, Tschechien, Ukraine, USA und Weißrussland mit Friedensdienstleistenden vertreten.

 

 

Schwerter zu Pflugscharen

 

Nach dieser Definition erzählte Walter Merz von seinen eigenen Friedensdiensten in Auschwitz und den Niederlanden und schilderte seine Eindrücke und Erfahrungen. Sehr eindrücklich waren seine Erzählungen über seine Jugendreise 1980 mit dem Kirchenkreis Northeim der evangelischen Kirche in die Gedenkstätte Auschwitz. Dort arbeitete die Gruppevon 25 Jugendlichen aktiv an dem Erhalt dieses Ortes mit. Ihre Gedanken und ihre persönliche Betroffenheit durch Anwesenheit und Arbeit an diesem Ort, wo so grauenhafte Verbrechen begangen wurden, hielten sie in dem Buch „Auschwitz – Reise in die Gegenwart“ fest. Bezogen auf die Schnelle Verurteilung der Eltern und Großeltern durch die Nachkriegsgenerationen erzählte Walter Merz von einem Zeitzeugen Gespräch mit einem überlebenden Häftling von Auschwitz, der sagte: „Seien Sie gnädig mit Ihrem Großvater, Sie haben die Zeit nicht erlebt.“. Diese Nachsicht beeindruckte sehr.
Einen weiteren Friedensdienst begann Walter Merz nach seinem Studium der evangelischenTheologie 1989 in den Niederlanden bei der Folkertsma – Stichting. Dort erstellte er einen Bestandskatalog über die Bücher des Rabbiners, Leiters der Stiftung und Holocaustüberlebender Yehuda Aschkenasy.

Für Walter Merz war dieser Friedensdienst auch von Bedeutung, um die Bibel anders verstehen zu können, da  diese Stiftung auch ein Lehrhaus des Judentums für Christen war, um die Religion den Menschen näher zu bringen.

Im Hinblick auf die Motivation der Engagierten bei Aktion Sühnezeichen, wird im Erzählcafé auch über mögliche Schuldgefühle und Wünsche der Wiedergutmachung der Nachkriegsgeneration gesprochen. Dazu sagt Walter Merz: „Es gibt keine kollektive Schuld. Aber es gibt eine kollektive Verantwortung.“. „Diese Verbrechen können nie wieder gut gemacht werden“, so der Konsens der Diskussion. „Aber man kann Demut und Betroffenheit zeigen und sich mit der Geschichte aktiv auseinandersetzen.“. Diesen Wunsch formulierten Walter Merz und die anwesenden Besucher an die kommenden Generationen. Sie berichteten aus ihrer Kindheit, wo Filme von den KZ-Verbrechen ohne eine Vor- oder Nachbearbeitung gezeigt wurden. Das Alleingelassen werden dieser jungen Menschen mit diesen Eindrücken und Gefühlen kam dem Schweigen der Eltern gleich und wurde als schwer zu ertragen beschrieben.  Walter Merz beendete das Erzählcafé mit einem weiteren Gedicht:

Deutscher Psalm

 

Die Hoffnung hat ihr Soll nicht erfüllt
Einzementiert wird der Zorn in den Kehlen
Brot sättigt nicht mehr und Wasser macht durstig
Mit Spruchbändern und Fahnen wird der Himmel verhängt
Erfüllt sind die Städte vom Schweigen der Steine
Wer erinnert sich noch unserer Träume?
Nicht jedes Ende ist auch ein Anfang
Über mächtige Brücken führen die Straßen ins Leere
Volker von Törne: „Im Lande Vogelfrei“, 1981, S. 190

-Dorothee Bonner und Laura Marahrens -

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Seite aktualisiert am 12.08.2016