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Nachlese vom 07. Dezember 2016

Nachlese zum Erzählcafé am 07.12.2016

„Eine Patchworkfamilie in den 1940-er Jahren - Weihnachten mit Hausmusik und acht Geschwistern“

Mit: Erika Nolte

Moderation: Annette Rehfus-Simon

„Man sollte alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen.“

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

 

„Ein kleines Lied hören“ und „ein gutes Gedicht lesen“: Musik und Poesie wirken als diejenigen Kraftquellen, die der Erzählerin Erika Nolte ihr ganzes Leben lang als Begleitungen zur Seite gestanden haben. Im Dezember-Erzählcafé ging es um Weihnachten, mit besonderem Augenmerk auf weihnachtliche Musik und das familiäre Zusammenleben. Unter der Moderation von Annette Rehfus-Simon fanden sich an diesem Nachmittag über 30 Gäste in vorweihnachtlichem Ambiente mit Lebkuchen und gebrannten Mandeln ein.

Die Erzählerin Erika Nolte gehört zur Planungsgruppe der FAG und feierte vor kurzem ihren 80. Geburtstag. Im Rahmen des Erzählcafés gewährte sie uns in Form einer Diashow Einblicke in die Zusammensetzung ihrer Familie, begleitet von zahlreichen schönen Momentaufnahmen. Nach dem Verlust des geliebten Vaters musste sie sich als junges Mädchen mit dem Leben in einer Patchworkfamilie arrangieren, welche nun aus Mutter und Stiefvater und neun Geschwistern aus vier Ehen bestand. Diese Familienkonstellation, geprägt von zum Teil fast gleichaltrigen Geschwistern und der Erziehung der Kleineren durch die Großen, war unter den Kriegsbedingungen und -nachwirkungen nicht einfach.

Vor allem deshalb, weil der Tod der verstorbenen Elternteile der Geschwister ein Tabuthema war. Unter den damaligen Bedingungen kamen solche Dinge nicht zur Sprache. Die Erzählerin Erika Nolte hat im Laufe ihres Lebens zunehmend die Erfahrung gemacht, dass Sterbefälle zur damaligen Zeit keiner psychischen Verarbeitung unterzogen werden konnten, da der Krieg mit der daraus resultierenden Nahrungsmittelknappheit und Hungersnot die gesamte Aufmerksamkeit von Familien in Anspruch nahm.

Die Musik in der Advents- und Weihnachtszeit war es, die Erika Nolte und ihrer Familie Zusammenhalt gegeben hat. Sie verbindet mit dieser Zeit das jeden Sonntag stattfindende Frühstück der Familie, das Schreiben von Wunschzetteln sowie das Glockenklingeln zur Bescherung. Die Musikalität aller Geschwister kam zur Sprache, als sie die Gesänge der Jugendlichen auf dem Rathausplatz erwähnte. In schöner Erinnerung blieb ihr des Weiteren das in der Weihnachtszeit von Deutsch-Amerikanern veranstaltete Frühstück. Die Erdnussbutter, die es dort gab, war in Zeiten der Knappheit eine Besonderheit für die Kinder.

Neben der Musik durchzog ihr Weg ebenfalls die Poesie. Insbesondere begeisterten sie bildlich gesprochene Anleitungen, die genutzt wurden, um Blockaden von Sängern/innen zu lösen. Ihr Interesse an poetischer Arbeit wuchs zunehmend, weshalb sie daraufhin Kurse besuchte. Sie schloss das Erzählcafé mit einem selbst  geschriebenen Gedicht ab, das den Titel „Weihnacht“ trug.

-Ina Kaufhold-

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Seite aktualisiert am 12.08.2016