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Nachlese vom 6. September 2016 

Nachlese zum Erzählcafé „Transition Town“ vom 06.09.2016

„Wie steht's um den Wandel? " 

 

Mit: Karin Schulze 

Moderation: Dr. Hartmut Wolter

"Der eine wartet, bis die Zeit sich wandelt; der andere packt sie kräftig an und handelt!" Dante Alighier (1265 - 1321)

Im ersten Erzählcafé nach der Sommerpause war „Transition Town 2016 - wie steht’s um den Wandel?“ das Thema. Hierzu fanden sich die Erzählerin Karin Schulze (Jg. 1955) und Hartmut Wolter als Moderator ein. Die Veranstaltung wurde an diesem sonnigen Tag von etwa 25 Personen besucht.

Um die Wurzeln des vielseitigen Engagements der Erzählerin Karin Schulze in u.a. „Göttingen im Wandel e.V.“ und dem weltweiten Netzwerk „Transition Town“ nachzuzeichnen, wagen wir eine Reise in die 1950er und 1960er Jahre. Die ihr im Kindesalter vorgetäuschte „sichere, heile Welt“ unter Tabuisierung der Kriegsereignisse blieb für die Biografie von Karin Schulze nicht folgenlos. Vielmehr begann sie, die damaligen Verhältnisse zu hinterfragen, woraus sich eine Suche nach der „wahren Welt“, fernab vom „Wirtschaftswunder“, ergab. Und so entstand Stein für Stein ein Weg durch die Friedens-, Frauen- sowie Umweltbewegung, welcher heute schließlich zu „Transition Town“ führt.

Die Vertreter der im Jahr 2006 ins Leben gerufenen Initiative plädieren für einen geringeren Verbrauch an Ressourcen sowie für achtsame Kommunikationsstrukturen innerhalb unserer Gesellschaft. Ein Blick in die Medien, vor allem in Anbetracht des Welterschöpfungstages am 8. August 2016, unterstreicht die Aktualität und Relevanz dieser Initiative. Und auch in unserer Stadt Göttingen und der Alten-WG ist „Transition Town“ in Gestalt der ersten „Solidarischen Landwirtschaft e.V.“  sowie der „Zeittauschbörse ZeTaBo Göttingen“ präsent.

EC vom 6-5-2015

Bewohnerinnen der Alten-WG erhalten regelmäßig frisches Saisongemüse, sind begeistert und überzeugt von diesem Konzept. Und auch die „Zeittauschbörse“ bietet tolle Möglichkeiten für die Göttinger Bürger. Im Fokus steht die Grundwahrheit, dass jeder Mensch durch individuelle und besondere Fähigkeiten geprägt ist. Indem diese für andere nutzbar gemacht werden, entfaltet sich ein Kreislauf gegenseitiger Unterstützung. Dem Tausch von Gegenständen und Hilfeleistungen sind hierbei keine Grenzen gesetzt: Kuchen backen, Holz hacken oder Renovierungen sind beispielhaft zu nennen. Auch geistige Arbeit ist gefragt. Eine gleichrangige Wertschätzung wird vermittelt, indem ein Tausch von Arbeitsstunde gegen Arbeitsstunde erfolgt, unabhängig davon, ob es sich hierbei um körperliche oder geistige Arbeit handelt.

Fertigkeiten früherer Generationen sind als Schätze zu betrachten, welche es wiederzuentdecken gilt. „Einwecken“ als Resultat von eigenem Obst- und Gemüseanbau wäre ein Beispiel für die Förderung der Eigenversorgung und damit einhergehendem zukunftsorientierterem Handeln. An dieser Stelle kommt wieder einmal zum Vorschein, wie viel Generationen doch voneinander lernen können. Diese Lernprozesse sind als Motor für fortschrittlicheres Handeln zu verstehen, insbesondere unter Berücksichtigung des Anstieges von Lebensmittelunverträglichkeiten, wie eine Frau aus dem Publikum bemerkte.

 

Jeder Einzelne unserer Gesellschaft trägt Potential für Entwicklung und Veränderung in sich. Und genau das konnte Karin Schulze mit ihrer Reise durch die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verdeutlichen.

Was wir aus diesem Erzählcafé mitnehmen können, ist also ein gesteigertes Bewusstsein dafür, sich an Veränderungsprozessen unserer Gesellschaft aktiv beteiligen zu können. Und das geht bestenfalls „Miteinander“. So schließt sich der Kreis, der durch das Zitat von Dante Alighier zu Beginn der Nachlese aufgemacht wurde.

- Ina Kaufhold -

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Seite aktualisiert am 12.08.2016