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Nachlese vom 03. Februar 2016 

Nachlese Erzählcafé vom 03. Februar 2016
„Pflegen und gepflegt werden“

Moderation: Studierende der Kulturanthropologie

Erzählende: Monika Heinrici, Björn Brüntrup und Hartmut Wolter

In diesem Erzählcafé war alles anders. Alles? Nicht ganz, aber doch so Einiges.
Zum Beispiel was die Moderation anging. Sechs Studentinnen, Teilnehmerinnen des
Lehrforschungsprojekts PflegeKultur des Instituts für Kulturanthropologie der
Universität Göttingen, hatten zusammen mit Hartmut Wolter die Vorbereitung
übernommen. Weil zu diesem speziellen Erzählcafé auch die Seminarleiterinnen,
Frau Prof. Dr. Regina Bendix und Frau Dr. Sabine Wöhlke, in Begleitung weiterer
Studierender anwesend waren, stellte sich das Café auch altersmäßig ganz anders dar.


„Pflegen und gepflegt werden“ – mit welcher Motivation sind die Erzählenden 1978
(Monika Heinrici), 1988 (Hartmut Wolter) bzw. 2003 (Björn Brüntrup) in die
Ausbildung gegangen? Ein gesunder Idealismus ist natürlich nach wie vor ein
zentraler Grund, in der Pflege tätig zu werden. Einige teilten auch persönliche
Erfahrungen, die sie dazu motivierten, nicht nur im engsten Kreis der Familie,
sondern auch darüber hinaus für andere Menschen da zu sein. Es scheint einen
„modernen“ Grund zu geben, sich der Pflege in einer alternden Gesellschaft zu
verschreiben: den schnöden Mammon. Und was zunächst erschreckend scheint, lässt
ja auch für die Zukunft hoffen. Insofern nämlich, als Pflege nicht mehr nur als
eine „schöne Sache“ gesehen wird, deren Hauptakteure, philanthropisch wie sie sind,
in der Regel auch finanziell von vornherein bessergestellt sind; sondern dass Pflege
zu einem „normalen“ Beruf wird. Einem, von dem man leben kann. Dieser „normale“ Beruf
fordert aber auch hohe Kompetenzen und hohe Belastungsfähigkeit. Mit einem Wort:
hohe Qualität in der Pflege.


Was wollen überhaupt die, die gepflegt werden? Und was wollen die, die pflegen? Über
diese beiden Fragen fand eine breite Verständigung statt. Es war aber auch deutlich zu
sehen, dass es hier mehr braucht: mehr Dialog vor allem zwischen Pflegenden und Gepflegten.
Beispielsweise spielt die Haltung der Gepflegten eine Rolle, wie eine Teilnehmerin sagte:
„Ich wünsche mir, im Alter freundlich zu sein!“
In einem Punkt waren sich schließlich – nach kontroverser Diskussion – alle einig:
Pflege muss gut sein. So also, dass man „immer freundlich bleiben kann“, dass ein
gemeinsamer Wert, ein Team entsteht, in dem sich einer auf den anderen verlassen kann.
Denn schließlich gehören immer zwei dazu, es ist ja schon immer ein Dialog gewesen.
Diesen Dialog gilt es zu führen. – Genau so passiert im etwas „anderen“ Erzählcafé.
(Malte Neuwinger)

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Seite aktualisiert am 12.08.2016