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Erzählcafé am 5. März 2014  

Nachlese Erzählcafé vom 5. März 2014

Doris Thomson: Eine Biografie gegen das Bild der Zeit?!

Mit Doris Thomson

Moderation: Verena Schickle


Doris Thomson 01Im Erzählcafe am 5. März 2014 teilte Doris Thomson ihre im wahrsten Sinne des Wortes bewegte Lebensgeschichte, die sie in verschiedenste Länder und Orte führte, mit den zahlreich erschienenen Zuhörerinnen und Zuhörern.

Geboren wurde Doris Thomson 1924 in Pernau, Estland als Tochter eines Pastors und einer Krankenschwester.

Ihre Kindheit beschreibt sie als sehr unkompliziert, in der großen Familie sei man als Kind gar nicht aufgefallen, so lange man pünktlich zu den Mahlzeiten erschienen war.

Doris Thomson besuchte eine deutsche Schule in Estland, lieber half sie allerdings in der Landwirtschaft und verbrachte ihre Zeit mit – von ihrem Vater angeregten – Vogelbeobachtungen oder später auch auf dem Sportplatz.

 

Ihr Leben in Estland wurde durch den „Hitler-Stalin-Pakt" 1939 jäh beendet. Nur zwei Wochen nach dessen in Kraft treten mussten Doris Thomson und ihre Familie Estland verlassen. Sie kamen über Danzig nach Posen ,wo ihr Vater schließlich eine Gemeinde übernahm.

Während dieser Zeit kam Doris Thomsons zum ersten mal wirklich in Kontakt mit der nationalsozialistischen Ideologie, gegen deren Propaganda sie sich aber auf Grund des kritisch eingestellten Vaters als gefeit bezeichnet. Sie beginnt ein Innenarchtitekturstudium. Dieses konnte sie nicht abschließen, denn es war nicht kriegsdienlich und musste deshalb zwangsweise unterbrochen werden.

Doris Thomson 02

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1945 flüchtet sie nach Göttingen und erlebt hier und im Landkreis die ersten Nachkriegsjahre. 1948 begibt Doris Thomson sich nach Schweden, wo sie sich als Aupair und als Hilfe in einem Schneideratelier in Stockholm sehr wohl fühlt. Weiter geht es für sie auf einem estnischen Schiff, wo sie als Köchin anheuert und als einzige Frau „halb heilig" gewesen sei.

 

Doris Thomson 03Nach einer kurzen Zeit auf einem anderen, schwedischen Schiff zog es Doris Thomson gemeinsam mit einer Bekannten in die Schweiz in ein nobles Hotel, wo sie als „Office Gouvernante" arbeitete und „morgens Blumen und abends Salat" machte. Anschließend führte sie ihr Weg nach Loccum und Rothenburg, um als Hausdame zu arbeiten. Von dort zog es sie wieder nach Schweden, wo sie bis zu ihrer Rückkehr nach Göttingen in einem recht abgelegenen, aber nicht einsamen Haus ohne Wasser und Strom lebte.

 

Besonders bemerkenswert in diesem Erzählcafe ist, dass sich immer wieder Zuhörerinnen und Zuhörer als Doris Thomsons Weggefährten offenbarten, die unterhaltsame Anekdoten über das Leben der Referentin beitragen können und sich mit ihr gemeinsam erinnern.

 

Die Lebensgeschichte von Doris Thomson zeigt, dass es mit einer Portion Aufgewecktheit und Selbstbewusstsein in einer Zeit des Umbruchs möglich war, Grenzen zu überschreiten und ungewohnte Wege zu gehen, und Möglichkeiten aufzugreifen, die für gewöhnlich eher mit der heutigen Zeit Doris Thomson 04assoziiert werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Seite aktualisiert am 12.08.2016