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Erzählcafé vom 22. Januar 2014  

Nachlese Erzählcafé vom 22.01.2014

"Mein geliebter Großvater ... ich wünschte er hätte sich verweigert."

Mit: Daniel Gaede

Moderation: Verena Schickle


Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus“ durfte das Erzählcafé des Zeitzeugenprojekts Göttingen den Leiter der Gedenkstättenpädagogik der Gedenkstätte Buchenwald Daniel Gaede begrüßen. Mit anschaulichen und sehr eindringlichen Beispielen führte er das Publikum an seine Arbeit und die Frage heran, wie wir mit Erinnerungen umgehen.

So eröffnete Herr Gaede eine Perspektiven für die Auseinandersetzung mit der (eigenen) Geschichte. 

EC vom 22-01-2014 mit Daniel Gaede

Viele Menschen fragen sich immer wieder, welche Spielräume es während des Nationalsozialismus gab, wer diese wie genutzt hat, welche Wertvorstellungen ausschlaggebend für ein bestimmtes Verhalten waren. Das zentrale Anliegen von Herr Gaede war die Frage, wie die Nachgeborenen die Vergangenheit mit Blick auf Gegenwart und Zukunft so thematisieren können, dass ein tieferes Verständnis füreinander entwickelt, und Normen für das eigene Verhalten fundiert werden können.

Die Antwort hierauf ist vielschichtig. Sie beginnt aber mit der selbstkritischen Reflexion der eigenen Herkunft und den eigenen Rollen, Interessen, Einflussmöglichkeiten und Verantwortlichkeiten sowie der Bewusstmachung, dass ein voreiliges Einordnen in Kategorien häufig missverständlich sein könnte. Viele der Beispiele, die Herr Gaede schilderte, werfen klassische Zuordnungen wie „Täter“ oder „Opfer“ durcheinander und zeigen, dass je nach Kontext ein Mensch verschieden gesehen und eingeordnet wird / werden kann.

EC vom 22-01-2014 mit Daniel Gaede


Faktenwissen, Kommunikation und eine offene, vertrauensvolle Atmosphäre, in der sich Menschen nach ihrem Willen positionieren können und nicht einfach zugeordnet werden, aber auch die Bereitschaft, sich offen zu widersprechen, bilden die Grundlage für die Hoffnung, gemeinsam einer Klärung näher zu kommen.

EC vom 22-01-2014 mit Daniel Gaede


Die Schilderungen von Herrn Gaede führten dazu, dass viele Gäste des Erzählcafés sehr interessierte und bewegende Beiträge mit uns allen teilten. Sowohl Herrn Gaede als auch allen Anwesenden sei hierfür herzlich gedankt.

 

EC vom 22-01-2014 mit Daniel Gaede

 

Bei Interesse an einer weiteren Auseinandersetzung mit der beschriebenen Thematik sei folgender Text von Daniel Gaede empfohlen, der neben dem Erzählcafé auch der kurzen obigen Zusammenfassung als Grundlage gedient hat:


Gaede, Daniel (2003):
"Von der Geschichte zum Erinnern – Eine sozio-konstruktivistische Perspektive", in: Schimpf-Herken, Ilse / Jung, Ingrid (Hrsg.): Das Fremde als Chance. Wie entstehen Lernprozesse, IKO-Verlag, Frankfurt, S. 243-248.

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Seite aktualisiert am 12.08.2016