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2. Juli 2008

„Meine letzte Schallplatte und meine erste CD -Die Tonträger der verschiedenen Generationen"

Musikcafé im Juli 2008

Vielleicht lag's an der sommerlichen Hitze und der Ferienzeit-Stimmung: Stoisch ernst genommen haben wir das Thema dieses Erzählcafés nicht. War überhaupt von der „letzten persönlichen Schallplatte" oder der „ersten CD" die Rede? Kaum. Dennoch, oder vielleicht gerade wegen der improvisierten Atmosphäre wurde es ein spannendes Erzählcafé rund um die Bedeutung von Musik, Melodien und musikalischer Technik im Wandel der Zeiten. 

Als Auftakt spielte Gisela Gaede, Jg. 1922, auf ihrer Geige die Melodie der deutschen Nationalhymne. Nicht mit erhabener Attitüde, sondern fein, sanft und schlicht. Diese Melodie, politisch vielfach - in doppeltem Wortsinne! - instrumentalisiert, gab Anlass zu ersten Diskussionen über die Bedeutung und den Charakter von Hymnen. Michael Jasper, Jg. 1955, steuerte eine Variation dieses „Deutschland-Liedes" bei: Zur Gitarre sang er Bertolt Brechts Text „Kinderhymne" auf die Melodie von Joseph Haydn. Brechts Text, von der Heinrich Böll Stiftung immer wieder mal als „alternative Nationalhymne" vorgeschlagen, hat jeglichen Nationalduktus abgestreift und wird weiterhin ein „Nischendasein" fristen - schade! Gerade deshalb sei er hier dokumentiert. Probieren Sie's ruhig mal aus - der Text passt haargenau auf Haydns Komposition:

 

Kinderhymne

Von Bertolt Brecht


Anmut sparet nicht noch Mühe – Leidenschaft nicht noch Verstand

Dass ein gutes Deutschland blühe wie ein andres gutes Land

Dass die Völker nicht erbleichen wie vor einer Räuberin

Sondern ihre Hände reichen uns wie andern Völkern hin

 

Und nicht über und nicht unter andern Völkern wolln wir sein

Von der See bis zu den Alpen, von der Oder bis zum Rhein

Und weil wir dies Land verbessern, lieben und beschirmen wir's

Und das liebste mags uns scheinen – so, wie andern Völkern ihrs.

 

Im zweiten Teil des Musik-Erzählcafés standen dann, tatsächlich, die unterschiedlichen Tonträger der verschiedenen Altersgenerationen im Mittelpunkt: Schlellack-Schallplatte, Single und LP, CD, Datenträger für I-Pod und MP3-Player... Witzig mancher augenzwinkernde Beitrag: „Meine Schallplatte hatte an einer bestimmten Stelle einen Kratzer, daran hatte ich mich schon gewöhnt. Wenn ich heute im Radio diesen Titel höre, fehlt mir... der Kratzer! Der gehörte einfach dazu..." Manch einer der Erzählcafé-Gäste mag auch nicht gewusst haben, dass die Vynil-LP's eine wesentlich größere akustische Dynamik besitzen als die heutigen so modernen Tonträger - und dass sie auch wesentlich haltbarer waren bzw. sind. Also: Holen wir die alten, mit so vielen biographischen Erlebnissen begleiteten, Singles und LP's mal wieder aus ihrem Dornröschenschlaf und lauschen wir unserer -früheren- Lieblingsmusik und dem sanften Schnarren der Staubkörnchen und der Kratzer ...

Michael Jasper

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