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7. Mai 2008

Rebellische Zeiten in Göttingen

Erzählcafé vom Mittwoch, dem 7. Mai 2008

Die „Achtundsechziger" in aller Munde – Radio, Fernsehsender und Printmedien überbieten sich aktuell mit ihren Reportagen, 40 Jahre „danach". Hoch-Zeit der Deutungen und – Vorsicht! – auch der Um-Deutungen dieser aufwühlenden, aufrüttelnden Zeit, die vor allem durch studentische Proteste in vielen europäischen Metropolen, aber auch in den USA, geprägt war.

Anlass genug, dass die „Achtundsechziger" auch zum Thema eines Erzählcafés im Rahmen des Zeitzeugenprojekts unseres Vereins gemacht wurden.

EC Mai 2008: Rebellische Zeiten

Für die bis auf den allerletzten Platz gefüllte Veranstaltung konnten zwei Zeitzeugen gewonnen werden, die aus ihrer heutigen – akademischen, aber immer sehr verständlichen – Perspektive ihre ganz persönlich erlebten „Mosaiksteine ihrer Erinnerung" präsentierten:

  • Holdger Platta, Jahrgang 1944, Wissenschaftsjournalist, und
  • Dr. Bärbel Kern-Lange, Jahrgang 1941, Sozialwissenschaftlerin.EC Mai 2008: Rebellische Zeiten

So unterschiedlich deren biographische Motivationen gewesen sind, die in ihr „68er-Engagement" mündeten (bei Holdger Platta das Wiederaufkommen der Nazis durch die Repräsentanz der NPD in mehreren Landtagen, bei Dr. Bärbel Kern-Lange u.a. ihr Interesse an der Kinderladen-Bewegung), so einig waren sie in ihrer Einschätzung, dass es „die Achtundsechziger" als halbwegs einheitliche Bewegung/Rebellion nicht gab – zu viele unterschiedliche Motivationslagen, zu viele unterschiedliche Zugänge.

EC Mai 2008: Rebellische ZeitenSo warnten beide ausdrücklich sowohl von rückblickenden romantisierenden Idealisierungen wie auch – politisch motivierten – „Entwertungen" jener Zeit.
Beide sahen kritisch und selbstkritisch in unideologischer Weise zurück und entfalteten einen differenzierten Blick.

Für die vielen Göttinger BesucherInnen mag auch die Einschätzung aufschlussreich gewesen sein, dass der Kern des Sozialistischen Studentenbundes (SDS) in Göttingen gerade mal aus nur etwa 30 bis 50 Personen bestand und sich nicht gerade durch großes Engagement „und Fleiß" ausgezeichnet habe.

EC Mai 2008: Rebellische Zeiten

Besondere Anerkennung fand neben den beiden ZeitzeugInnen auch die einführende Präsentation des Politikwissenschaftlers Maik Bohne, der dem Publikum in einer geschickten Auswahl „bewegter Bilder" die Aufbruchsdynamik jener Zeit vergegenwärtigte - die zeitparallelen Aktionen in Frankreich, des „Prager Frühlings", den Aktionen um Martin Luther King in den USA, nicht zuletzt auch einige pointierende Fotos von dem sich verändernden Lebensgefühl, etwa der Enttabuisierung der Sexualität und der Bedeutung der Pop- und Folkmusik.

EC Mai 2008: Rebellische Zeiten

Das Erzählcafé wurde von Regina Meyer und Maik Bohne ko-moderiert.

Michael Jasper, Dipl.-Sozialwirt

 

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Seite aktualisiert am 12.08.2016